Ob es jemals aufhört...?

Am Mittwoch ist bereits ein Monat vergangen. Ein Monat ohne meine Mama, ohne ihr Lachen, ihren Schalk und ihren unbändigen Überlebenswille. Es ging alles so plötzlich.

Am 01. Februar hatten wir ein Meeting mit den Ärzten. Bereits die Anzahl an Menschen in Weiss liess nichts gutes erahnen. Der Raum, in dem wir die Besprechung hatten, war beinahe zu klein für so viele Personen.

Die Diagnose war ernüchternd. In Zeiten der Digitalisierung und in denen man sich bereits vorab im Internet über diverse Krankheitsbilder Klarheit verschaffen kann, ist man stets auf das Schlimmste gefasst - hören möchte man jedoch trotzdem anderes.

Bereits bevor wir das Meeting hatten, hatte ich eine Vermutung. Da ich Medizin studieren wollte, lege ich ein gutes medizinisches Verständnis an den Tag und verstehe biologische Zusammenhänge.

Meine Vermutung, metastisierter, kleinzelliger Lungenkrebs, bestätigte sich hiermit auch und in diesem Moment wusste ich was es geschlagen hatte. Die Ärzte redeten von 2 Wochen, mit Chemotherapie vielleicht noch ein paar Wochen mehr. Jedoch war meine Mama durch ihren Hirnschlag, den sie ja vorher schon erlitten hatte, sehr geschwächt und verstarb innert dieser zwei Wochen auf den Tag genau - trotz Chemo. Jedoch nicht wegen der Lunge, sondern weil die Leber versagte, da der Krebs gestreut hatte.

 

Am Abend vor ihrem Tod war ich noch bei ihr. Bereits am vorigen Samstag hatte ich mich bei meiner Mutter, aus Intuition, verabschiedet. Ich lag an diesem Tag bei ihr, habe ihr versprochen, dass wir zu ihren Hunden schauen, habe geweint, dass alles so unsagbar unfair ist und ihr gesagt wie sehr ich sie liebe. Meine Mama konnte mir schon längst keine Antwort mehr geben. Neben der Aphasie, die sie durch den Schlag erlitten hatte, befand sie sich in den letzten zwei Wochen in einem komatösen Schlaf. Ich wollte mich jedoch verabschieden, solange sie noch gelebt hatte.

Dies war auch die richtige Entscheidung, denn am Dienstagabend, als ich noch einmal bei ihr war, hätte ich nicht mehr mit ihr reden können. Sie war unruhig, hat gestöhnt, merkwürdig geatmet, die Gitter des Bettes waren hochgeklappt. Ich sagte zu meinem Freund noch, dass ich das Gefühl habe, dass der Tod anwesend sei, ohne zu wissen wie recht ich hatte. Ich ging um 20.00 Uhr nach Hause, ziemlich genau 12 Stunden später starb sie.

 

Ich war gerade am arbeiten, als mich mein Bruder anrief und mir mitteilte, dass unsere Mutter im Sterben lag. Wenn ich noch einmal zu ihr wolle, müsse ich mich beeilen. Ich haderte, da ich sie nicht sterben sehen wollte. Rief dann jedoch doch noch meinen Freund an und fragte, ob er mitkommt. Kaum hatte ich aufgelegt, rief mein Bruder an und teilte mir mit, dass es vorbei war.

Ich fühlte nichts. Unglauben, dass es vorbei war. Wut, dass man mir meine Mama, mein einziges Elternteil, genommen hatte. Verzweiflung weil man nichts tun kann. Nichts. Einfach keine Gefühlsregung. Einfach nichts... 

 

Ich habe nun knapp einen Monat später immer noch keine Ahnung wie man mit sowas umzugehen hat. Was man fühlen sollte. Ich spüre einen Druck in der Magengegend. Aber nicht dieses Gefühl, wenn man traurig ist. Manchmal muss ich weinen, manchmal kommt einfach nichts. Ich bin traurig darüber, dass meine Mama nicht mehr da ist. So richtige Trauerarbeit kann ich irgendwie trotzdem nicht leisten. Mein Kopf weiss was geschehen ist, mein Herz glaubt es jedoch nicht. Und ich frage mich, wie das weitergehen soll. Ob dieses dumpfe Gefühl aufhört. Ob ich jemals richtig trauern werde. Ob... ob... ob... 

13.3.17 13:14

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Marie / Website (13.3.17 13:57)
Es tut mir wahnsinnig leid! Jeder verarbeitet Trauer anders oder geht anders damit um. Es ist ein schwieriger Prozess. Diese Ohnmacht, die sich einstellt, erschrickt einen gewaltig, da man sich selbst für gefühlslos einstuft. Ich glaube aber, dass es ein Eigenschutz ist, um das alles irgendwie bewältigen zu können. Die Trauer wird kommen, da bin mir sicher und die sollte man auch zu lassen. Vielleicht gibt Dir ein bestimmter Ort, wo Du mit Deiner Mutter glücklich warst, die Möglichkeit, dass alles besser zu verarbeiten.
Verstehen, wird man das nie, denn es ist einfach nicht richtig. Nicht richtig, sich mit solchen Dingen auseinandersetzen zu müssen, nicht richtig überhaupt an sowas schrecklichem zu erkranken und nicht mal eine Chance zu erhalten, wieder gesund zu werden.
Ich verstehe Dich wahnsinnig gut.
Ich kann Dir nur raten, nach vorne zu sehen, Dein Leben bestmöglich zu leben, denn das ist sicher das, was sich Deine Mama für Dich gewünscht hätte. Du wirst es schaffen und dieser "Druck", ich kenne ihn genau, wird besser werden. Ganz viel Kraft und bitte nie den Mut verlieren. LG, Marie

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