28 Tage...

Genau 28 Tage sind nun vergangen. Heute vor 28 Tagen bist du um 8.00 Uhr eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Du hast so gekämpft. Du hast so sehr gehofft. Und dann wurde alles jäh zerschlagen.

 

Vor 28 Tagen erhielten wir die erlösende Nachricht. Du seist gegangen. Erlösung und Fluch zugleich.

Erlösung, weil du nicht mehr kämpfen musst. Weil du nicht mehr leiden musst. Keine Träne mehr dem Leben hinterherweinen musst. Dir keine Gedanken mehr um uns machen musst. Irdische Probleme nun für dich einfach nicht mehr existieren.

Fluch, weil du nicht mehr da bist. Den Raum nicht mehr mit deinem Lachen erhellst. Uns nicht mehr in Erstaunen versetzt, weil du so kämpfst. Weil wir dich einfach nicht mehr bei uns haben.

 

28 Tage voller Up and Downs. Mit Lachen und Tränen. Mit Erinnerungen und Gedanken an das, was noch hätte sein können. Tage des Unglauben, des nicht verstehen, des nicht akzeptieren.

 

Es fühlt sich nicht so an, dass schon so viel Zeit vergangen ist. Es fühlt sich so an, als ob du gestern noch da warst, auf dem Sofa sassest und scherztest. Ich spüre jetzt noch deine warmen Hände, die ich gehalten habe, als du in deinem Sterbebett lagst. Ich höre noch immer deine Stimme, die uns getröstet hat, als wir alle Hoffnung verloren hatten. Ich spüre noch immer deinen Kampfgeist, der unbedingt sein Enkelkind kennenlernen wollte und an den Hochzeiten seiner Kinder dabei sein wollte. Und ich sehe noch immer dein Gesicht, mit all den Emotionen der vergangenen Wochen und Monaten.

 

Doch das alles sind nur noch Erinnerungen. Schmerzlich, schön, traurig... Denn du bist vor 28 Tagen für immer von uns gegangen. Und wir sind nicht böse, denn es war ok. Aber noch immer fühlen wir tiefen Schmerz, eine unbändige Wut über das Schicksal und Ohnmacht weil wir uns in einer unwiderruflichen und nicht beeinflussbaren Situation befanden und noch immer befinden.

 

28 Tage reichen nicht, um dich nicht mehr zu vermissen. Um nicht mehr ununterbrochen an dich und dein Schicksal zu denken. Und ich frage mich, ob weitere 28 Tage reichen, um endlich einen Strich darunter zu ziehen, oder ob 28 Jahrhunderte dafür nicht ausreichen würden. Du bist so jung und so plötzlich gegangen. Hast noch eine Mutter und drei junge Kinder hinterlassen. Hast deine Enkelkinder nie kennengelernt. Da war noch so viel Potential. Doch wenn wir daran denken, wie sich deine Krankheit noch hätte verschlimmern können, sind wir deinetwegen froh, dass du gehen konntest. Schmerzfrei, leidfrei und nun vogelfrei.

 

Wir vermissen dich. Wir lieben dich. Wir vergessen dich nicht.

15.3.17 13:03, kommentieren

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Ob es jemals aufhört...?

Am Mittwoch ist bereits ein Monat vergangen. Ein Monat ohne meine Mama, ohne ihr Lachen, ihren Schalk und ihren unbändigen Überlebenswille. Es ging alles so plötzlich.

Am 01. Februar hatten wir ein Meeting mit den Ärzten. Bereits die Anzahl an Menschen in Weiss liess nichts gutes erahnen. Der Raum, in dem wir die Besprechung hatten, war beinahe zu klein für so viele Personen.

Die Diagnose war ernüchternd. In Zeiten der Digitalisierung und in denen man sich bereits vorab im Internet über diverse Krankheitsbilder Klarheit verschaffen kann, ist man stets auf das Schlimmste gefasst - hören möchte man jedoch trotzdem anderes.

Bereits bevor wir das Meeting hatten, hatte ich eine Vermutung. Da ich Medizin studieren wollte, lege ich ein gutes medizinisches Verständnis an den Tag und verstehe biologische Zusammenhänge.

Meine Vermutung, metastisierter, kleinzelliger Lungenkrebs, bestätigte sich hiermit auch und in diesem Moment wusste ich was es geschlagen hatte. Die Ärzte redeten von 2 Wochen, mit Chemotherapie vielleicht noch ein paar Wochen mehr. Jedoch war meine Mama durch ihren Hirnschlag, den sie ja vorher schon erlitten hatte, sehr geschwächt und verstarb innert dieser zwei Wochen auf den Tag genau - trotz Chemo. Jedoch nicht wegen der Lunge, sondern weil die Leber versagte, da der Krebs gestreut hatte.

 

Am Abend vor ihrem Tod war ich noch bei ihr. Bereits am vorigen Samstag hatte ich mich bei meiner Mutter, aus Intuition, verabschiedet. Ich lag an diesem Tag bei ihr, habe ihr versprochen, dass wir zu ihren Hunden schauen, habe geweint, dass alles so unsagbar unfair ist und ihr gesagt wie sehr ich sie liebe. Meine Mama konnte mir schon längst keine Antwort mehr geben. Neben der Aphasie, die sie durch den Schlag erlitten hatte, befand sie sich in den letzten zwei Wochen in einem komatösen Schlaf. Ich wollte mich jedoch verabschieden, solange sie noch gelebt hatte.

Dies war auch die richtige Entscheidung, denn am Dienstagabend, als ich noch einmal bei ihr war, hätte ich nicht mehr mit ihr reden können. Sie war unruhig, hat gestöhnt, merkwürdig geatmet, die Gitter des Bettes waren hochgeklappt. Ich sagte zu meinem Freund noch, dass ich das Gefühl habe, dass der Tod anwesend sei, ohne zu wissen wie recht ich hatte. Ich ging um 20.00 Uhr nach Hause, ziemlich genau 12 Stunden später starb sie.

 

Ich war gerade am arbeiten, als mich mein Bruder anrief und mir mitteilte, dass unsere Mutter im Sterben lag. Wenn ich noch einmal zu ihr wolle, müsse ich mich beeilen. Ich haderte, da ich sie nicht sterben sehen wollte. Rief dann jedoch doch noch meinen Freund an und fragte, ob er mitkommt. Kaum hatte ich aufgelegt, rief mein Bruder an und teilte mir mit, dass es vorbei war.

Ich fühlte nichts. Unglauben, dass es vorbei war. Wut, dass man mir meine Mama, mein einziges Elternteil, genommen hatte. Verzweiflung weil man nichts tun kann. Nichts. Einfach keine Gefühlsregung. Einfach nichts... 

 

Ich habe nun knapp einen Monat später immer noch keine Ahnung wie man mit sowas umzugehen hat. Was man fühlen sollte. Ich spüre einen Druck in der Magengegend. Aber nicht dieses Gefühl, wenn man traurig ist. Manchmal muss ich weinen, manchmal kommt einfach nichts. Ich bin traurig darüber, dass meine Mama nicht mehr da ist. So richtige Trauerarbeit kann ich irgendwie trotzdem nicht leisten. Mein Kopf weiss was geschehen ist, mein Herz glaubt es jedoch nicht. Und ich frage mich, wie das weitergehen soll. Ob dieses dumpfe Gefühl aufhört. Ob ich jemals richtig trauern werde. Ob... ob... ob... 

1 Kommentar 13.3.17 13:14, kommentieren